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„Arroganztraining für Frauen“ als Erfolgsrezept im Beruf?

Heute ist ein interessanter Artikel in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung erschienen: Schluss mit freundlich – Arroganztraining für Frauen.

Frauen in Führungspositionen würden ihr Revier nicht verteidigen. Daraus entstünden eine Menge Probleme. Ein Coach bietet „Arroganztrainings“ an, die Abhilfe schaffen sollen. Der Artikel ist ein Interview mit dem Coach.

Kann Arroganz als Erfolgsrezept im Beruf wirklich funktionieren?

Den Mitarbeiter so lange hinausschicken, bis er seine Lektion gelernt hat

Der Coach skizziert als erstes eine Situation, wo ein Mitarbeiter das Büro seiner Chefin betritt, ohne von ihr herein gebeten worden zu sein, sich ohne Aufforderung setzt und Papiere auf ihrem Tisch ausbreitet. Er habe damit fremdes Terrain erobert, was ihm besonders viel Selbstvertrauen gebe.

Und? Ich kann das Problem dabei nicht erkennen, wenn die Chefin ebenso selbstbewusst ist und damit eine natürliche Autorität hat.

Als Lösungsvorschlag rät er der Chefin, den Mitarbeiter gleich wieder hinaus zu schicken und dieses Vorgehen so oft zu wiederholen, bis der Mitarbeiter seine Lektion gelernt hat. Mit anderen Worten: sie soll ihn solange wie einen dummen Schuljungen behandeln, bis er pariert? Mit kleinen Kindern geht man auch so um, und da finde ich es keinen Deut besser als hier.

Bei so einem Vorgehen sendet man die Botschaften

  • „Um von mir akzeptiert zu werden, musst du anders sein“ (und um mir zu demonstrieren, dass du meine Erwartungshaltung triffst, musst du mir im Zweifel eine Show vorspielen, d.h. unehrlich zu mir sein)
  • „Du hast etwas Verbotenes getan“ (auch wenn du das eigentlich nicht wissen kannst, weil ich dir bisher noch nicht gesagt habe, dass das verboten ist)
  • „Deswegen bestrafe ich dich jetzt“ (indem ich dich wieder raus schicke)
  • „Wage ja nicht, sowas noch mal zu machen“ (jetzt versuche ich, dir Angst zu machen, um dich unter meine Kontrolle zu bringen)
  • „Ich bestrafe dich solange, bis du tust was ich sage“
  • „Wenn du nicht tust, was ich sage, dann passiert was!!!“

Auch wenn diese Dinge so natürlich nicht ausgesprochen werden, so sind sie doch das, was sich dahinter verbirgt. Die innere Haltung des Senders, also der Chefin, ist dabei nicht friedlich. Sie ist angst-motiviert und erzeugt auch keinen Frieden auf der Gegenseite.

Was soll hier erreicht werden? Ein letztlich friedliches Betriebsklima mit zufriedenen Mitarbeitern? Oder ein Klima der Angst, wo die Mitarbeiter nur deswegen etwas tun, weil sie sonst mit Repressalien rechnen müssen? Also eine nicht friedliche Haltung der Chefin gegenüber dem Mitarbeiter um die Zusammenarbeit auf eine solide Basis zu stellen?

Aus meiner Sicht ist es wesentlich zielführender, wenn die Chefin ihrem Mitarbeiter klar und bestimmt mitteilt, welches Verhalten Sie nicht schätzt. Das kann nur funktionieren, wenn es sich für sie authentisch anfühlt. Dann kommt es mit natürlicher Autorität heraus und hat die größten Chancen, auf der anderen Seite ohne Ablehnung tatsächlich gehört und auch eingehalten zu werden.

Anderenfalls ist das Verhalten der Chefin unehrlich und angst-motiviert. Und diese Information schwingt in der ganzen Situation mit. Das könnte der Grund sein, warum der Mitarbeiter es das nächste Mal wieder so probiert, weil er ihre aufgesetzte „Arroganz“ nicht wirklich ernst genommen hat.

Wird eine unsympathische Chefin besser akzeptiert?

Der Coach stellt das Ansinnen von Frauen, als sympathische Chefin gesehen zu werden, als „Missverständnis“ dar. Er empfiehlt „diese Art von Kommunikation“ (gemeint ist vermutlich die bei ihm zu erlernende künstliche Arroganz) wie eine Fremdsprache zu nutzen, um sich als Führungskraft besser akzeptiert zu fühlen.

Mit anderen Worten: seiner Meinung nach gibt es ein Patentrezept für alle Mitarbeiter (!), die die Chefin nicht akzeptieren. Es lautet: „Wenn ich dir gegenüber arrogant bin, dann akzeptierst du mich“.

Wirklich?

Wenn ich arrogant bin, dann tue ich das, um zu verschleiern, wer ich in diesem Moment wirklich bin. Nämlich das kleine verängstigte Kind, das sich nicht anders zu helfen weiß, um nicht unter zu gehen. Also baue ich die Fassade „Arroganz“ auf, in der Hoffnung, dass mein Gegenüber sie mir abkauft.

Ist das selbstbewusstes Handeln? Nein. Auch hier ist es angst-motiviert. Ich gebe etwas vor, das nicht ist. Das heißt, es ist zudem unehrlich. Dabei schwingt ständig die Angst mit, entdeckt zu werden. Ganz schön anstrengend!

Wenn eine Chefin hingegen von innen heraus selbstbewusst und damit authentisch ist, steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass sie auch akzeptiert wird. Dazu muss sie sich nicht verstellen, sie muss keine „Fremdsprache“ sprechen.

Eine Fremdsprache ist auch nicht natürlich und erfordert wesentlich mehr Konzentration als das, was natürlich aus mir heraus kommt. Genauso verhält es sich mit aufgesetzter Arroganz.

Auf anzügliche Bemerkungen mit einem Rückschlag reagieren

Der Coach lobt eine Abteilungsleiterin, die in einem Meeting auf eine anzügliche Bemerkung eines Mitarbeiters mit einem abwertenden Kommentar auf der persönlichen Ebene reagierte. Danach habe die Frau keine Probleme mehr mit ihren Kollegen gehabt.

Oberflächlich betrachtet mag dieser abwertende Kommentar den gewünschten Effekt gehabt haben. Aber fördert sowas tatsächlich die Zusammenarbeit? Und was gibt es für Alternativen?

Sehen wir uns das ganze näher an. Was ist hier passiert?

Ein Mitarbeiter macht eine anzügliche Bemerkung. Sein Ziel: die Anerkennung der anderen Herren im Raum, er möchte als toller Typ da stehen. Die Abteilungsleiterin antwortet abwertend in der Runde, es entsteht Gelächter. Sie hat also seinen Plan kaputt gemacht, sich die Anerkennung der anderen zu verschaffen.

Er wird sich nun alles andere als wohl fühlen, und ihr die Verantwortung dafür geben. Das heißt, auf einer unbewussten Ebene ist er jetzt ihr Opfer. Dazu gibt es ein passendes Zitat von Byron Katie:

Opfer sind gewalttätige Menschen.- Byron Katie

Wie hoch ist nun die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mitarbeiter zu einer offenen und konstruktiven Zusammenarbeit bereit ist? Oder wird er nicht vielmehr auf eine passende Gelegenheit warten, um ihr diese „Schmach“ zurück zu zahlen? Sich zu rächen? Falls nötig mit versteckten Waffen, damit die nächsten Repressalien sich nicht wieder gegen ihn richten?

Das ganze hat noch weiter reichende Auswirkungen, und zwar auf die restlichen Anwesenden. Es sendet allen gleichermaßen die Botschaften:

  • „Wer es wagt, mir an den Karren zu fahren, wird öffentlich bestraft“
  • „Dabei ist mir jedes Mittel recht“
  • „Ich nehme auf deine Interessen keine Rücksicht, sondern gehe mit ganzer Härte gegen dich vor“
  • „Wie du dich dabei fühlst, ist mir egal“
  • „Es geht mir nur um mich“ 
  • „Ich kenne keine Gnade“
  • „Wer von euch will der nächste sein?“
  • „Und ich habe noch mehr in Petto, falls nötig“

Die Haltung dahinter ist nicht friedlich, und wird auf der anderen Seite sicher keinen Frieden hervorrufen. Wer Sturm sät, wird Sturm ernten!

So etwas erzeugt ebenfalls ein Klima von Unsicherheit und Angst. Wie offen werden diese Mitarbeiter wohl sein, konstruktiv mit der Abteilungsleiterin zusammen zu arbeiten?

Tatsächlich müssen sie in jedem Moment ihres künftigen Arbeitslebens mit einem Angriff der Abteilungsleiterin rechnen. Schließlich wissen sie ja nicht, bei was sie sich das nächste Mal auf den Schlips getreten fühlt, um wieder zum Gegenschlag auszuholen. Das heißt, sie müssen künftig ständig auf der Hut sein, um keine Provokation auszulösen. Ganz schön anstrengend.

Was kann die Abteilungsleiterin also statt einem abwertenden Kommentar auf der persönlichen Ebene tun? Nun, sie kann mit Souveränität und Selbstbewusstheit auftreten und sein „Angebot“ bestimmt und sachlich ablehnen.

Fazit

Der Coach sagt, dass Frauen ein anderes Kommunikationsverhalten haben als Männer. Es mag sein, dass das beim überwiegenden Teil der Frauen so ist. Dass sie insgesamt gesehen weniger hierarchisch denken. Aus meiner Sicht stellt das im Berufsleben jedoch nicht per se einen Nachteil dar.

Die Frage ist vielmehr: was hindert viele Frauen, in einer Situation selbstbewusst aufzutreten und ihre Grenzen abzustecken? Was hindert sie, für ihre Interessen einzutreten und mit Bestimmtheit und Nachdruck, jedoch ohne Negativität, gewisse Dinge einzufordern? Wovor haben sie Angst? Was ist in ihrer Welt das Schlimmste, das passieren kann, wenn sie für ihre Interessen einstehen?

Das ist es, was es zu erforschen gilt. Nach meiner Erfahrung sind es meist Ängste vor Konsequenzen oder ein wackeliges Selbstbild bzw. der Eindruck nicht gut genug zu sein. Dafür sind gewisse Denkmuster verantwortlich, von denen viele aus der frühesten Kindheit stammen. Diese gilt es zu erkennen und zu transformieren. Beispielsweise mit The Work of Byron Katie.

Nur dann besteht die Möglichkeit, authentisch und mit natürlichem Selbstbewusstsein aufzutreten. Der Rest ergibt sich von selbst.

Ein „Arroganztraining“ dagegen ist wie eine dicke Schicht Make-Up auf der eigenen Unsicherheit und funktioniert bestenfalls an der Oberfläche. Siehe oben.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

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