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Betty: „Meine Familie sieht mich als Kriminelle“

Wir sitzen in einem typischen ruandischen Wohnzimmer mit Sofagruppe, Couchtisch und Schrankwand mit Fernseher. Anderes Mobiliar ist nicht vorhanden. Mit gegenüber sitzt Betty. Ihr Alter ist schwer zu schätzen, sie wirkt auf mich noch sehr jung.

Sie erzählt ihre Geschichte: sie sei HIV positiv, weswegen ihre Familie sie diskriminiere. Sie lebe im Familienverbund ihrer Mutter. Sie habe zwei Kinder, von denen eines ebenfalls HIV positiv sei. Ihre Familie sehe sie als kriminell, da sie die Kinder trotz ihrer HIV-Infektion bekommen habe. Der Kindsvater sei ebenfalls HIV positiv und habe sie verlassen. Er bekenne sich nicht zu den Kindern. Ihre Familie mache ihr wegen der Situation täglich das Leben schwer und äußere fortwährend Kritik. Sie fühle sich von ihrer Familie unterdrückt. Sie sagt, das sei das Ende ihres Lebens. Sie habe Angst um die Kinder, insbesondere wenn sie eines Tages nicht mehr am Leben sei.

Wir arbeiten an der Überzeugung „Meine Familie sieht mich als Kriminelle.“

Betty ist fest davon überzeugt, dass das wahr ist. Sie knibbelt nervös an einem Stift herum und wischt sich wiederholt die Tränen aus den Augen. Die Auswirkung dieses Glaubenssatzes auf sie sind massiv: Betty ist nicht in Frieden, isoliert sich, wendet sich von allen Menschen um sie herum inklusive ihrer Kinder ab, schließt sich ein und weint. Sie fühlt sich hoffnungslos und sieht sich bereits als tot.

Während sie die Frage beantwortet weint sie und schneuzt mehrere Taschentücher voll. Sie knetet die Taschentuchpackung in ihrer Hand als handele es sich um ein Stück Teig.

Ohne den Gedanken vergisst sie ihre HIV-Infektion und denkt nicht ans Sterben. Sie fühlt sich als Teil der Familie, ist in Frieden. Nun hat sie aufgehört zu weinen, die Taschentuchpackung lässt sie allerdings nicht los.

Als sie den Gedanken umkehrt sieht sie, dass sie sich vorallem selbst als Kriminelle sieht. Sie kritisiert sich selbst dafür, trotz ihrer HIV-Infektion zwei Kinder bekommen zu haben, wegen der Schwangerschaft die Schule abgebrochen zu haben und sagt sie sei ganz allgemein der Meinung, HIV Positive seien kriminell. Dies scheint hier in Ruanda eine sehr weit verbreitete Überzeugung zu sein.

Eine weitere Umkehrung besagt, dass Betty die Mitglieder in ihrer Familie als Kriminelle sieht, da sie Betty schlagen, ihr öfters kein Essen geben, sie unterdrücken, schlecht behandeln und fortwährend kritisieren.

Mit der letzten Umkehrung hat sie zunächst Schwierigkeiten: „Meine Familie sieht mich nicht als Kriminelle“.

Ganz langsam fängt sie an zu verstehen, dass sie die meisten Probleme in der Familie hat, wenn sie ohne Essen nach Hause kommt. Dann wird sie geschlagen. Bringt sie hingegen Essen, so essen alle zusammen. Sie entdeckt, dass das Verhalten ihrer Familie nichts mit ihrer HIV-Infektion zu tun hat. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass sie sie deswegen als kriminell sehen. Offenbar hat ihre Familie einfach nur eine wenig liebevolle Methode zu unterstreichen, dass man von ihr einen Beitrag zum Essen der Familie erwartet.

Sie sieht zudem, dass ihre Familie blanke Angst hat, sich bei ihr mit HIV anzustecken. Man verbietet ihr, verschiedene Dinge im Haushalt zu berühren und scheut jeglichen körperlichen Kontakt mit ihr. Offenbar ist Ruanda ganz allgemein nicht so viel darüber bekannt, wie man sich mit HIV anstecken kann. Ihre Familie ist im Umgang mit ihr hilflos. Trotz alledem lebt Betty weiterhin im Familienverbund, sie wurde von ihrer Familie nicht vor die Tür gesetzt.

Betty ist verblüfft und sieht mich mit großen Augen an. Sie ist gerade eine große Last losgeworden, dennoch habe ich den Eindruck, dass sie das Ganze erstmal verdauen muss. Als ich sie zwei Tage später wieder treffe strahlt sie mich an und umarmt mich. Es geht ihr gut!

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.