Suche
  • Heilpraktikerin
  • Terminvereinbarung 089 74 79 39 48
Suche Menü

Hilft es laut zu werden, um etwas zu erreichen?

Mein Klient beklagt sich über wiederkehrende Auseinandersetzungen mit seiner Frau. Er empfinde diese als sehr belastend und wolle daran arbeiten. Er fühle sich von ihr oft schlecht behandelt. Dann versuche er seine Interessen zu vertreten, indem er ihr gegenüber laut werde. Irgendwie funktioniere das jedoch nicht so richtig und er wisse nicht warum.

Einige Fragen später ist das zugrunde liegende Denkmuster identifiziert:

  • „Wenn ich mich nicht wehre, bin ich schwach und unterlegen“
  • „Unterlegene und schwache Menschen werden nicht geliebt“
  • „Um meine Stärke und Gleichwertigkeit zu demonstrieren muss ich mich wehren“ (d.h. wenn ich meine Stärke und Gleichwertigkeit nicht aktiv demonstriere, wird meine Frau sie niemals bemerken)
  • „Ich muss ihr mit der gleichen Aggressivität begegnen, sonst kapiert sie es nicht“ (d.h. Stärke kann man nur durch Aggessivität vermitteln)
  • „Wenn ich stark und damit ein gleichwertiger Partner bin, dann geht sie nicht mehr so mit mir um“ (d.h. sie tut das nur, weil ich in ihren Augen so schwach und unterlegen bin)

Mit anderen Worten: er denkt, laut werden ist das einzige Mittel um ihr zu zeigen, dass er nicht schwach und unterlegen ist. Er fürchtet, ihre Liebe zu verlieren wenn er ihr das nicht immer wieder beweist. Solange er so denkt hat er letztlich keine andere Wahl, als ihr immer wieder mit Nachdruck Contra zu geben. Und „zurückzubrüllen“, wie er es nennt.

Sind Aggressivität und Anschreien also ein adäquates Mittel zur Aufrechterhaltung der Liebe des Partners und zur Erhaltung von Beziehungen? Hilft Anschreien des Partners dabei, von ihm geliebt zu werden?

Wenn die Frage so gestellt wird, ist die Antwort vermutlich sehr klar: nein. Dennoch kann es sehr schwierig sein anders zu handeln, wenn man das nächste Mal in eine ähnliche Situation gerät – solange man Überzeugungen wie mein Klient hat.

Mittels The Work of Byron Katie bearbeite ich mit meinem Klienten das Denkmuster, das sich zuvor gezeigt hatte. Er erkennt, dass er seine Frau in dem Moment auch nicht liebt, wo sie ihm gegenüber laut wird. Er stellt fest, dass es nicht dazu führt, dass er sie als gleichwertig und stark betrachtet und sie dafür liebt, wenn sie ihn anschreit.

Er sieht, dass er für ihre Wünsche und Bitten selten offen ist. Meist schlägt er sie unwirsch ab ohne wirklich hingehört zu haben. Dann wird sie laut und abweisend. In gleichem Maße macht er innerlich zu und wird ebenfalls laut. Der Inhalt dessen, was sie sagt, kommt nicht bei ihm an. Demnach denkt er auch nicht darüber nach. Er sagt, seine Frau laufe bei ihm regelmäßig gegen Wände.

Langsam kommt ihm die Idee, seiner Frau das nächste Mal einfach in Ruhe zuzuhören wenn sie einen Wunsch äußert. Offen zu sein für das, was sie sagt. Er erkennt, dass ruhig zuhören noch lange nicht heißt, dass er seiner Frau den geäußerten Wunsch auch erfüllen muss.

Vielmehr zeigt er innere Stärke, indem er aufrichtig zuhört und die Bitte seiner Frau ernsthaft in Erwägung zieht. Das gilt umso mehr, wenn er ihren Wunsch entweder aus seinem Herzen heraus erfüllt, oder ablehnt, nachdem er wirklich darüber nachgedacht hat.

Es ist also genau das Gegenteil seiner ursprünglichen Annahme wahr: er demonstriert seine Stärke durch nicht schreien. Schreien ist dagegen ein Zeichen von Hilflosigkeit und damit von Schwäche. Wenn er schreie, dann wisse er sich nicht mehr zu helfen, sagt er.

Zudem ist es viel wahrscheinlicher, dass sich die Emotionen zwischen den beiden nicht so hochschaukeln wie er es sonst gewohnt ist. Es könnte tatsächlich friedlich bleiben. Ein ganz normales Gespräch, ohne Anschreien.

Er wirkt entspannt und lächelt mich an. Er sagt, auf diese Idee sei er bisher nicht gekommen. Er glaube jedoch, dass es wunderbar funktionieren werde. Seine Frau sei nämlich im Grunde ein sehr friedliebender und harmoniebedürftiger Mensch. Genau wie er.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.