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Hilft Selbstkritik dabei, es das nächste Mal anders zu machen?

Wie schon unzählige Male zuvor habe ich mich kürzlich in einem inneren Dialog selbst kritisiert. Wieder einmal habe ich mein eigenes Tun negativ bewertet: „Ich hätte die zusätzliche Aufgabe ablehnen sollen. Ich hätte wissen müssen, dass es nicht geht. Jetzt habe ich den Salat. Selbst schuld!“.

Gleichzeitig stieg Wut in mir auf. Wut auf mich selbst, dass ich „es verbaselt“ habe. Und dann Wut, dass ich wütend bin, verbunden mit weiterer Selbstkritik: „Ich sollte wegen so etwas nicht wütend werden. Ich sollte da drüber stehen!“.

Trotzdem war dieses Mal etwas anders als sonst. Mir fiel auf, wie unwohl ich mich fühle, wenn ich mich in Gedanken so angehe. Wenn ich nicht freundlich zu mir bin.

Wieso mache ich das? Wozu sollen diese inneren Dialoge dienen? Ganz einfach: ich will damit sicherstellen, dass ich es das nächste Mal besser mache. Mentale Gewalt gegen mich selbst als Motivator.

Kann das funktionieren? Wie groß sind die Chancen, es nächstes Mal anders zu machen, wenn ich mich in Gedanken verurteile? Wenn ich mit der Peitsche hinter mir stehe?

Und ist es real überhaupt möglich, es anders zu machen? Mir fällt auf, dass ich in dem Moment, wo die zusätzliche Aufgabe auf meinem Tisch landete, keine Millisekunde an den Hinderungsgrund dachte, warum ich sie nicht erledigen kann. Der Hinderungsgrund war mir in dem Moment schlichtweg nicht eingefallen.

Kann ich an etwas denken, an das ich in diesem Moment nicht denke? Kann ich dafür sorgen, dass mir etwas einfällt, das mir in diesem Moment nicht einfällt? Nein. Unmöglich. Folglich konnte ich die Aufgabe in diesem Moment auch nicht ablehnen. In diesem Moment sprach nichts dagegen, sie anzunehmen.

Kann ich in einem Moment aufhören wütend zu sein, in dem ich wütend bin? Kann ich über etwas stehen, über dem ich gerade nicht stehe? Nein. Unmöglich. In dem Moment, wo ich wütend bin, gibt es nichts was ich dagegen tun könnte. Die Forderung an mich selbst, damit aufzuhören und stattdessen darüber zu stehen ist also nicht erfüllbar. Auch Kritik und abwertende Worte können daran nichts ändern.

Ich versuche also, etwas Unmögliches zu erreichen. Als ob ich durch Selbstkritik dafür sorgen könnte, dass mir das nächste Mal etwas einfällt das mir gerade nicht einfällt. Als ob ich damit aufhören könnte wütend zu sein, wenn ich gerade wütend bin. Und während all dem bin ich alles andere als freundlich zu mir und fühle ich mich schlecht.

Seit dieser Erkenntnis habe ich in solchen und ähnlichen Situationen einen realistischeren Blick darauf, was möglich ist und was nicht. Meine inneren selbstkritischen Dialoge sind weniger geworden. Und das ist sehr entspannend!

Natürlich ist es nicht immer so offensichtlich wie in diesem Beispiel hier, wie unmöglich etwas jetzt gerade ist. Andere Situationen überprüfe ich mit The Work of Byron Katie um zu sehen, ob ich es wirklich hätte anders machen können. Bisher konnte ich das noch kein einziges Mal finden.

Und so führt jede einzelne Überprüfung mit The Work für mich weiterhin zu größerem innerem Frieden und zu mehr Gelassenheit.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

2 Kommentare

  1. danke susanne, für deine offenheit. wow :-o

    danke christina für diesen wundebar einleuchtenden artikel. das tut richtig gut, auch wenn bei mir das thema ein anderes ist. ich hätte mich nicht wieder mal einmischen sollen und dann die wut einer person auf mich ziehen sollen.
    es ist nicht wahr, weil ich in diesem moment genau DAS getan habe, das ich tun wollte, nämlich klare worte sagen.

    danke!!

    liebe grüsse
    eva

  2. Liebe Christine,

    danke für den Artikel, das erinnert mich daran, dass ich das immer noch tue, viel zu oft. Und an eine wunderbare Begebenheit, die ich einmal hatte.

    Ich gestehe, ich habe mein Kind geschlagen. Zwei Mal. Beim ersten Mal: Schuld-Schuld-Schuld… Selbstkritik, ja schon Selbstzerfleischung. Dann hab ich geworkt „ich hätte mein Kind nicht schlagen sollen“ und alle Glaubenssätze die darunter so auftauchten. Danach war es wieder besser.

    Dann lange danach passierte es wieder, und diesmal war es anders. Ich fühlte mich bis aufs Blut gereizt und in dem Augenblick, als meine Hand in der Luft schwebte, da gab es einen Punkt of Return. Da hätte ich innehalten und es sein lassen können und ich konnte nicht. Im Gegenteil, ich habe in dieser Millisekunde bewußt entschieden, meine Hand weiter in sein Gesicht zu bewegen. Es gab eine Wahl und es gab keine Wahl. Und es war „richtig“ so, in diesem kurzen Moment. Dann kam der Schlag und dann einen Moment der Stille, den ich niemals vergessen werde. Wir schauen uns mit großen Augen an. Ich sehe den Abdruck meiner Finger auf seiner Wange. Er schaut mich an, steht still auf, geht ans Eisfach, holt sich ein Kühlpack raus, legt dies an die Wange und setzt sich wieder neben mich. Es war nicht nötig, etwas zu sagen, es war alles gesagt und es war ganz friedlich. Eine bahnbrechende Veränderung in unserer Beziehung, nicht, weil ich ihn geschlagen habe, sondern weil ich mich keine Sekunde dafür geschämt habe. Es ist einfach passiert, es war da. Es war ein wenig so, als hätte ich in diesem Augenblick mein Leben wieder in die Hand genommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hätte es tun sollen, in diesem Augenblick, weil ich es getan habe und weil ich es wollte.

    Ich habe ihn nie wieder geschlagen!!

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