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Ist alles ok, wenn der andere seine Kritik nicht ausspricht?

Ich kenne kaum jemanden, der Kritik völlig gelassen zur Kenntnis nimmt. Die meisten Menschen scheinen damit ein mehr oder minder großes Problem zu haben. So auch ein Klient, der neulich nach einem Streit mit seiner Frau zu mir kam. Sie habe ihn kritisiert und er habe das kaum ausgehalten.

Der Streit entzündete sich daran, dass sie sich mal wieder bei ihm über seine mangelnde Mitarbeit im Haushalt beschwert hatte. Sie habe ihn sinngemäß als „Dreckspatz“ und „faulen Sack“ kritisiert. Er fühlte sich verletzt. Danach hatte er sich tagelang in seine Höhle zurückgezogen, wo er schmollte. Er wartete darauf, dass sie sich bei ihm entschuldigen und auch sagen würde, dass es ihr leid täte. Vergeblich.

Noch lieber wäre es ihm gewesen, sie hätte das alles gar nicht erst zu ihm gesagt. Wenn sie ihre Kritik für sich behalten und ihn nicht damit behelligt hätte. Als ob die ganze Sache dann gar nicht existiert hätte!

Wir bearbeiten die Überzeugung „Es ist besser für mich, wenn sie ihre Kritik für sich behält“.

Nach der Beantwortung der vier Fragen von The Work of Byron Katie gelangt er zu den Umkehrungen. Sowohl „Es ist schlechter für mich, wenn sie ihre Kritik für sich behält“, als auch „Es ist besser für mich, wenn sie ihre Kritik ausspricht“ öffnen ihm die Augen.

Er stellt fest, dass der Haussegen schon in dem Moment schief hängt, wo seine Frau zu der Überzeugung gelangt, er würde sich nicht genug an der Hausarbeit beteiligen. Ab diesem Punkt ist sie ihm nicht mehr wohlgesonnen. Sie ist ihm gegenüber nicht mehr offen und das häusliche Klima verschlechtert sich.

Er sieht der Tatsache ins Auge, dass die Kritik an seiner Person in jedem Fall existiert, auch wenn sie nicht ausgesprochen wird. Er sieht mich verblüfft an. Bisher sei er davon ausgegangen, dass alles ok ist solange seine Frau nichts sage. Mit dem Wunsch, seine Frau hätte in der fraglichen Situation ihre Kritik nicht ausgesprochen, hatte er sich häuslichen Frieden vorgemacht, der in diesem Moment nicht existent war. Vogel-Strauß Taktik, Kopf in den Sand.

Er vermutet, dass es wohl schon öfters vorgekommen ist, dass seine Frau ihrem Unmut keine Luft gemacht hat. Zu einem späteren Zeitpunkt sei sie dann nach einer Kleinigkeit regelrecht explodiert und er habe sich gewundert, wie eine Banalität so eine Reaktion auslösen konnte. Es dämmert ihm, dass die Kleinigkeit vermutlich nur der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. Dass in diesem Moment alles aus ihr heraus brach, was sie bei verschiedenen Gelegenheiten in der Vergangenheit herunter geschluckt hatte.

Er erkennt, wie wertvoll es ist, wenn seine Frau ihm gegenüber offen und ehrlich ist und das ausspricht, was sie belastet. So weiß er woran er ist und wo sie in diesem Moment steht. Ob seine Frau die Kritik äußert oder nicht, in ihrem Kopf ist sie in jedem Fall existent. Alles andere ist Wunschdenken seinerseits.

Das ganze hat noch einen weiteren Vorteil für ihn: wenn er weiß, dass seine Frau alles anspricht, was sie stört, so kann er sich anders als jetzt viel eher darauf verlassen dass alles ok ist, wenn sie nichts sagt!

Wenn seine Frau ihm ihren Schmerzen sagen kann statt ihn herunter zu schlucken, werden auch ihre Vulkanausbrüche wesentlich unwahrscheinlicher. Damit hätte er dann ein großes Problem weniger, sagt er.

Er sei nun fast soweit, seine Frau darum zu bitten ihm stets offen und ehrlich zu sagen, was sie stört. Allerdings nur fast.

Was ihn derzeit noch davon abhält, sind seine Ängste vor den Konsequenzen, die er befürchtet, wenn seine Frau eine bestimmte Meinung von ihm hat. Daher ist er noch nicht ganz bereit, sich diese Meinungen anzuhören. Seine Befürchtungen hören sich u.a. so an:

  • „Sie denkt schlecht über mich.“
  • „Sie liebt mich nicht.“
  • „Sie will sich von mir trennen.“
  • „Sie respektiert mich nicht.“
  • „Sie hat ein falsches Bild von mir.“
  • „Sie tut mir weh.“

Solange er diese und andere schmerzvollen Dinge glaubt, wird er Angst haben, die Kritik seiner Frau zu hören. Er sieht, dass er damit weiterhin den Kopf in den Sand steckt und auch das Denken seiner Frau nicht kontrollieren kann. Wenn sie eine Meinung über ihn hat, dann ändert sich das nicht dadurch, dass sie sie nicht äußert.

Die Lösung für sein Dilemma ist, an der Liste seiner Befürchtungen zu arbeiten. Das werden wir in der folgenden Sitzung tun. Mein Klient sieht dem bereits jetzt freudig entgegen.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.