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Bosco: „Milizen haben alle meine Verwandten getötet und mich mit HIV infiziert“

Wir besuchen Bosco in Ntarama, einem Ortsteil des Dorfes Nyamata, südöstlich der ruandischen Hauptstadt Kigali. Er wirkt sehr ernst. Zur Begrüßung hält er mir schlapp seinen rechten Arm entgegen, meinen Händedruck erwidert er nicht.

Bosco erzählt uns er habe im Genozid von 1994 seine ganze Familie verloren und sei HIV positiv. Milizen hätten ihn 1994 bewusst mit HIV angesteckt, indem sie ihm und seiner Frau infiziertes Blut spritzten. Sie sagten ihm seinerzeit, sie würden ihn nicht töten sondern auf diese Art und Weise bestrafen.

Übersetzer Costa, Bosco und ich in Boscos Haus

Übersetzer Costa, Bosco und ich in Boscos Haus

Bosco lebt heute mit Frau und Kindern in einem vom Roten Kreuz bereit gestellten kleinen Häuschen. Der Raum in dem wir uns befinden ist kahl. Boden, Wände und die einzigen darin befindlichen Möbel – ein Tisch mit Stühlen – sind schmutzig. Alles ist mit einer Schicht aus rotem Staub bedeckt. Der Raum wirkt düster, obwohl Licht durch das einzige Fenster und die offene Tür hereinfällt.

Bosco arbeitet an der Überzeugung, dass alle seine Verwandten von Milizen getötet worden seien. Seine Reaktion auf diesen Gedanken ist schmerzvoll und belastend: er wendet sich von seiner Familie ab, streift ziellos umher, trinkt jede Menge Alkohol und raucht viel. Er sucht Menschen mit ähnlichem Schicksal um über das gemeinsame Drama der Vergangenheit zu klagen und es so wieder und wieder im Geist zu durchleben. Ohne den Gedanken hingegen lebt er in Frieden und ohne Hass. Es liegen Welten zwischen dem, was Bosco mit und ohne diesen Gedanken erlebt.

Als er den Gedanken umkehrt wird ihm klar, dass die Milizen nicht alle seine Verwandten getötet haben. Ein Gericht hatte sie für unschuldig befunden, zudem haben außer ihm und seiner Frau noch drei weitere Personen überlebt.

Eine weitere Umkehrung besagt, dass Bosco alle seine Verwandten getötet hat. Dies ist nicht wörtlich zu sehen. Bosco rutscht nervös auf seinem Stuhl herum. Dann versteht er, wie seine Verwandten in den Bildern seiner Gedanken wieder und wieder sterben, jedes einzelne Mal wenn er das Drama seiner Vergangenheit mental wieder durchlebt. Heute noch. Und für die Bilder in seinem Kopf ist er selbst verantwortlich.

Bosco lächelt zum ersten Mal.

Dann kommt er darauf zu sprechen, dass er HIV positiv ist. Er glaubt, deswegen nicht für seine Kinder sorgen zu können. Denkt er diesen Gedanken, so lässt er seine Familie zurück und geht sich betrinken. Er isoliert sich völlig, spricht mit niemandem mehr. Er fühlt sich körperlich wie tot und sieht seine Kinder vor seinem geistigen Auge bereits als Waisen. Ohne diese Überzeugung bleibt nur noch Liebe für seine Familie.

Er kehrt den Gedanken um und sieht, dass seine HIV-Infektion keinerlei Hindernis dafür ist, sich um seine Kinder zu kümmern. Er sieht die vielen Möglichkeiten, wie er für seine Kinder sorgen kann, vom puren Zusammensein mit ihnen bis hin zur Aufklärung, wie sie sich selbst vor Ansteckung schützen können. Er versteht, dass es nich der HIV-Virus in seinem Körper, sondern der Gedanke darüber ist, der ihn daran hindert für seine Kinder zu sorgen, indem er sich isoliert und physisch von der Familie entfernt.

Er erkennt auch, dass er sich nicht um sich selbst kümmert, solange er an dieser Überzeugung festhält. Er trinkt und raucht dann viel und isst oft aus Protest den ganzen Tag nichts.

Als wir uns verabschieden lächelt Bosco. Er bedankt sich herzlich, umarmt mich und gibt mir nun fest die Hand, anders als bei der Begrüßung. Er läuft noch ein Stück unseres Weges mit, und winkt zum Abschied.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

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