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Odette: „Mein Schwager hat mich schlecht behandelt“

Odette und ihre Kinder haben den Genozid nur knapp überlebt, ihr Ehemann wurde dabei getötet. Sie wurden schwer verwundet und brauchten lange Zeit, um sich körperlich wieder zu erholen. Die Wunden in der Seele sind bis heute geblieben. Odette sagt, sie sei viel im Krankenhaus und fühle sich deswegen schuldig, nicht für ihre Kinder sorgen zu können. Ihre Kinder lebten wegen ihrer Krankenhausaufenthalte das Leben von Waisenkindern.

Verantwortlich für ihre schwache Psyche und die dadurch bedingten Krankenhausauftenthalte sei ihr Schwager Alfons. Entgegen ihrer Erwartung habe er sich nicht um die Familie gekümmert. Stattdessen habe er alle Besitztümer verkauft, das Geld für sich behalten und sie auf diese Art und Weise sehr schlecht behandelt. Sie sei sehr böse auf ihn.

Odette strahlt nach ihrem The Work Prozess

Odette strahlt nach ihrem The Work Prozess

Wie Bosco wohnt Odette mit ihren Kindern in Ntarama in einem vom Roten Kreuz bereit gestellten Haus. Es ähnelt dem von Bosco mit dem Unterschied, dass es hier recht sauber ist. Ein Vorhang ziert das Fenster, auf dem Tisch liegt eine Tischdecke. Es ist sehr dunkel im Raum, eine Lampe ist nicht zu sehen. Offenbar gibt es hier keine Elektrizität.

Odette ist eine attraktive Frau, in traditionelle afrikanische gemusterte Kleidung gehüllt. Sie hat ein Tuch um den Kopf gebunden. Auch sie wirkt sehr ernst.

Während Odette ihre Geschichte erzählt, öffnet der Himmel seine Schleusen und es fängt an, heftigst zu regnen. Der Regen trommelt im Stakkato auf das Dach aus Wellblech. Eine Kommunikation ist nicht mehr möglich.

Als der Regen nachlässt, fangen wir an. Während Odette die Fragen beantwortet, starrt sie unaufhörlich in die Tischplatte und zeichnet darauf mit dem Deckel eines Kugelschreibers imaginäre Muster. Sie spricht sehr leise.

Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass ihr Schwager Alfons sie durch den Verkauf der Besitztümer sehr schlecht behandelt hat. Auf die Frage, ob sie das mit absoluter Sicherheit wissen könne anwortet sie „sogar Gott weiß das“. Der Gedanke lähmt sie richtiggehend. Sie sieht sich zu nichts im Stande, fühlt sich schwach, kocht nicht, kümmert sich nicht um die Kinder.

Ihre Reaktion auf den Gedanken ist also genau das, wofür sie sich ihren Kindern gegenüber schuldig fühlt. Sie sagt mit dem Gedanken sei sie voller Hass, wolle sich isolieren und niemanden sehen. Sie kümmere sich nicht mehr um ihren Körper, dusche bzw. bade nicht. Sie gehe dann ins Krankenhaus – begleitet durch Nachbarn, nachdem sie selbst dazu nicht im Stande ist.

Odette hat ihre Unterarme auf dem Tisch, ihre Stirn ruht auf ihren Handrücken, ihr Gesicht ist nicht zu sehen. Es beginnt wieder stark zu regnen. Odette schließt die Fensterläden, eine Fensterscheibe gibt es nicht. Nun ist es im Raum fast dunkel, lediglich durch die offene Tür fällt noch etwas Licht herein.

Odette erlebt, dass sie ohne den Gedanken in Frieden ist.

Zögerlich erkennt sie, dass sie sich selbst schlecht behandelt. Zum einen macht sie für sich und ihre Kinder kein Essen, isoliert sich, beachtet ihren Körper nicht und macht sich auch noch Schuldgefühle dafür. Zum anderen ist das Urteil, dass das Verhalten ihres Schwagers bedeutet, dass er sie schlecht behandelt, in ihrem eigenen Denken entstanden. Sie quält sich mit dieser Überzeugung selbst.

Nun kann sie sich der Möglichkeit öffnen, dass Alfons sie nicht schlecht behandelt hat. Sie findet mehrere Situationen, wo er sich ihr und ihren Kindern gegenüber äußerst positiv verhalten hat. Sie sieht schließlich, dass Alfons die Besitztümer nicht verkauft hat um ihr zu schaden sondern womöglich um seine Bedürfnisse nach Alkohol und üppigem Essen zu finanzieren.

Odette lächelt, und spricht über ihr Lächeln. Sie sagt, das sei in diesem Jahr nach einer Art Comedy-Aufführung im Februar das zweite Mal, dass sie lächele. Dies sei ein ganz besonderer Moment. Sie wirkt wesentlich ruhiger, ihr Gesichtsausdruck hat sich entspannt.

Jetzt fängt es an, aus ihr herauszusprudeln. Sie findet mehr und mehr positive Dinge über Alfons und erzählt sie uns. Das Eis ist gebrochen.

Sie sagt, sie sei nun zuversichtlich. Sie betrachte mich als Freund und wünsche sich, dass ich sie auch künftig wieder in ihrem Haus besuchen komme. Ich hätte ein großes Geschenk in ihr Haus gebracht. Sie spricht ihre Wertschätzung dafür aus, dass ich von so weit hergekommen sei um sie zu unterstützen. Sie umarmt mich zum Abschluss und lächelt wieder. Was für eine Frau.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Christina,

    mit Spannung verfolge ich Deinen Blog und noch einmal meine Hochachtung für Eure Arbeit. Auch wenn ich sagen muss, dass einem die eigenen Probleme, mit denen man sich rumschlägt, vernichtend klein erscheinen. Andererseits ist das Grundthema, das allen schweren und hemmenden Gedanken/ Sorgen/ Problemen innewohnt, bei uns Menschen immer sehr ähnlich und so ist Eure Arbeit vor Ort für mich nur ein weiterer Beweis dafür, dass The Work funktioniert.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Kraft
    Anke

    Antworten

  2. Liebe Christina,
    wow, was für eine Geschichte – und doch, man möchte fast sagen „nur“ eine Geschichte, allerdings was für eine schlimme… Danke, dass du mich daran teilhaben lässt. Und wie ehrenvoll, dass du so weit weg deine hilfreiche Arbeit verbreitest. Ich habe sofort Genozid gegoogelt, denn ich war mir nicht ganz sicher über die korrekte Bedeutung und denke mir daa, wie können Menschen in solchen Situationen überhaupt noch des Lebens froh werden.. und, siehe da, es geht wohl.. also, sind die Geschichten auf der Welt eben am Ende des Tages doch nur Geschichten, so schwer und unglaublich die äußeren Umstände auch teilweise sein mögen. Nun denn, liebe Christina, setze noch einige frohe Samen dort ein und komme wieder heil nach Hause zurück, zu deinen Lieben :-) Wir sehen uns, bis dahin, alles Liebe und Odette´s Geschichte hat mich echt abgeholt, als sie auch bei ..mit 100% Sicherheit.. erwiderte „sogar Gott weiß das..“ WOW!
    Lui aus München

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