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Warum ist Kritik so unangenehm?

Für viele Menschen hat das Wort „Kritik“ einen negativen Beigeschmack, es wird pauschal als unangenehm angesehen. Warum ist das so? Und was ist Kritik eigentlich? Was sagt der Duden dazu? In meinem Fremdwörterbuch heißt es zum Begriff „Kritik“ u.a.

  • [wissenschaftliche, künstlerische] Beurteilung, Begutachtung, Bewertung
  • Beanstandung, Tadel

Was genau läuft eigentlich ab, wenn ich Kritik übe? Üblicherweise durchlaufe ich dabei nacheinander folgende Schritte:

  1. Beobachtung einer Situation (z.B. die Spülmaschine ist nicht ausgeräumt)
  2. Gedankliches Vergleichen meiner Wahrnehmung mit dem, was ich als Idealzustand betrachte (z.B. Idealzustand: die Spülmaschine ist ausgeräumt)
  3. Bewertung meiner Wahrnehmung des Ist-Zustandes und Feststellung, dass ich damit nicht zufrieden bin (z.B. er hätte die Spülmaschine ausräumen sollen)
  4. Äußerung, dass ich mit dem Ist-Zustand nicht zufrieden bin und ggf. Äußerung eines Wunsches nach Änderung (z.B. „Ich finde es nicht gut, dass du die Spülmaschine nicht ausgeräumt hast. Bitte beteilige dich daran in Zukunft öfter.“)

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass der Satz unter 4. zunächst eine simple Meinungsäußerung ist. Ich sage, was ich nicht gut finde und bitte um Änderung. Zur Kritik wird das Ganze erst in dem Moment, wo man dem Gesagten entsprechend der Definition des Dudens den Titel „Beanstandung, Tadel“ gibt.

Sehen wir uns im Vergleich dazu ebenfalls eine Meinungsäußerung an, die Missfallen bekundet, z.B. „Es gefällt mir gar nicht, dass du so hustest. Bitte zieh dich in Zukunft wärmer an“. Auch das ist nur eine Meinungsäußerung. Hier ist die Wahrscheinlichkeit, dass das vom Zuhörer als Beanstandung bzw. Tadel und damit als Kritik gesehen wird, wesentlich geringer.

Woher kommen diese unterschiedlichen Bewertungen? Warum haben so viele Menschen die Tendenz, bestimmte Arten von Meinungsäußerungen als Kritik zu sehen? Und warum tut das so weh?

Nach meiner Erfahrung schmerzen Meinungen von anderen dann, wenn ich befürchte, dass sie für mich nichts gutes bedeuten. Wenn ich fürchte, dass mein Gegenüber jetzt schlecht über mich denkt und das negative Auswirkungen auf unsere Beziehung hat. Wenn ich Angst habe, nun vom anderen abgelehnt zu werden, im schlimmsten Fall für immer.

Wenn ich beispielsweise die Spülmaschine nicht ausgeräumt habe, und man zu mir sagt „Ich finde es nicht gut, dass du die Spülmaschine nicht ausgeräumt hast. Bitte beteilige dich daran in Zukunft öfter“, dann könnten sich meine Rückschlüsse und Befürchtungen dazu etwa so anhören:

  • „Er denkt schlecht von mir.“
  • „Er hält mich für faul.“
  • „Er hält mich für unordentlich und für eine schlechte Hausfrau.“
  • „Er stellt fest, dass ich nicht diejenige bin, für die er mich gehalten hat.“
  • „Er wendet sich von mir ab.“

Das ist es, was weh tut! Nicht die Meinungsäußerung des anderen, sondern meine Interpretationen und Befürchtungen, die ich damit verbinde. Bei anderen Meinungsäußerungen habe ich diese Art von Interpretationen nicht, z.B. im obigen Beispiel mit dem Husten.

Ich erkläre eine Meinung also in dem Moment zur Kritik, wo ich Konsequenzen daraus befürchte. Kritik ist damit hausgemacht, sie entsteht in meinem Kopf.

Das sind gute Nachrichten, denn das bedeutet, dass ich mittels The Work of Byron Katie daran arbeiten kann. Ich kann meine Rückschlüsse und Interpretationen dessen, was der andere gesagt hat, mit The Work überprüfen. Dabei habe ich die Chance zu entdecken, dass mein Verstand einem Missverständnis aufgesessen ist und meine Befürchtungen gegenstandslos sind.

Und wenn dann das nächste Mal jemand sagt, dass er es nicht gut findet dass ich die Spülmaschine so selten ausräume und mich bittet, dies künftig öfter zu tun, kann ich es als simple Meinungsäußerung sehen und gelassen zuhören. Im Idealfall bin ich dann offen den Inhalt dessen, was der andere gesagt hat, in Erwägung zu ziehen. Könnte er Recht haben?

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

2 Kommentare

  1. Die Beschreibung der Kritik gefällt mir sehr gut. Ich finde gut, dass beide Seiten beleuchtet werden. Klar ist Kritik im Alltag unangenehm, da man weiß dass man es hätte besser machen können. Mir hilft dann immer ein klärendes Gespräch um die Kritik zu erläutern. Dann ist sie meistens auch gar nicht mehr so schlimm.

  2. Das gefällt mir!
    Ich finde es wirklich gut, wie du das Zustandekommen von Kritik erklärst. Allein schon dadurch kann ich Kritik anders sehen.
    Danke dir für diesen Beitrag!

Kommentare sind geschlossen.