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Warum wir bei anderen so gerne etwas darstellen wollen

Dafür gibt es sicher viele Motivationen. Inspiriert durch die Arbeit mit einer Klientin möchte ich mich hier auf eine einzelne Ursache beschränken. Sie kam mit dem Unbehagen zu mir nichts vorzuzeigen zu haben, insbesondere keinen Ehemann und kein Kind. Ein paar Fragen später war die darunter verborgene, schmerzvolle Überzeugung identifiziert: „Wenn ich nichts vorzeigen kann, gehöre ich nicht dazu“.

Diese Überzeugung schlummert im Unterbewusstsein fast jedes Menschen, sie ist ein Massenphänomen. Ich kenne kaum jemanden, der nicht von diesem Virus infiziert ist. Die Ausprägung mag bei jedem anders aussehen: der eine erzählt stolz von seinem neuen tollen Auto, der nächste von seinen abenteuerlichen Reisen und ein dritter von seinem fachlich anspruchsvollen Job und seiner guten Position. Und wieder ein anderer ist stolz auf seinen großen Freundkreis und wie beliebt er ist.

Dahinter stecken weitere Annahmen wie:

  • „Die Zuneigung meiner Mitmenschen ist an Bedingungen geknüpft“ (oft auch Wertvorstellungen genannt)
  • „So wie ich bin, bin ich nicht ok“ („einfach nur so“ erfülle ich die Bedingungen der anderen nicht)
  • „Für die Sympathie und die Zuneigung anderer muss ich (aktiv!) etwas tun“ (um ihre Bedingungen/Wertvorstellungen zu erfüllen).
  • „Meine Verdienste muss ich anderen zeigen“ (sonst wissen sie ja nicht, dass ich ihre Bedingungen erfülle!)

So ein Denkmuster ist ziemlich anstrengend, es fordert mich pausenlos. Zunächst versuche ich herauszufinden, was die Bedingungen meiner Mitmenschen sind. Je nach Bezugsperson kann das sehr unterschiedlich sein. Vielleicht ist der eine von meinen Fernreisen beeindruckt, der andere dagegen findet Langstreckenflüge unökologisch und ist davon überhaupt nicht begeistert. Ich gerate also leicht in eine Zwickmühle. Richtig unangenehm wird es, wenn je ein Vertreter dieser unterschiedlichen Lager gemeinsam mit mir an einem Tisch sitzt und einer von beiden das Thema Fernreisen anschneidet.

Vielleicht handelt es sich aber auch um etwas nicht materielles, z.B. guter Humor. Dann bemühe ich mich, immer wieder eine witzige Bemerkung ins Gespräch einzustreuen. Dies ist eine Daueraufgabe: um das Bild des humorvollen Menschen bei meinem Gegenüber aufrecht zu erhalten, muss ich bei jedem einzelnen Treffen lustig sein. Auch wenn ich vielleicht mal einen schlechten Tag hatte und mir gar nicht nach Lachen zumute ist. Falls ich keine unerschütterliche Frohnatur bin, kann das auf Dauer ganz schön qualvoll werden.

Ich verbiege mich also in der Hoffnung, damit bei anderen punkten zu können. Aber funktioniert das denn wirklich? Lohnt es sich, in dieses Hamsterrad einzusteigen? Zur Beantwortung dieser Frage können Sie sich in die Position des Gegenübers hineinversetzen.

Haben Sie auch schon mal Leute erlebt, die krampfhaft versuchen witzig zu sein? Leute, die ihre Bemühungen intensivieren und versuchen noch einen oben drauf zu setzen, je weniger sich die Anwesenden erheitern lassen? Erinnern Sie sich noch an den Klassenclown aus Ihrer Kindheit?

Führen solche Verhaltensweisen dazu, dass Sie jemanden wirklich mögen? Oder ist vielleicht eher das Gegenteil der Fall? Kennen Sie den Menschen, mit dem sie es zu tun haben, und der hinter dieser Fassade steckt? Schätzen Sie es, dass Sie nur die Fassade zu sehen bekommen?

Nach meiner Erfahrung ist Authentizität auf ganz natürliche Weise attraktiv. In dem Moment wo jemand einfach er selbst ist, fühle ich mich wie magisch angezogen. Egal ob mein Gegenüber gerade lacht oder weint, witzig ist oder nicht, viele Besitztümer, tolle Hobbies, viele Freunde etc. hat oder nicht. Das kümmert mich dann alles nicht, es tritt völlig in den Hintergrund. Diese Dinge lenken mich vom Wesen meines Gegenübers und damit von ihm als Menschen ab. Sie sind für mich also sogar hinderlich.

Meine Klientin hat mit The Work of Byron Katie ihre Geschichte überprüft, dass sie sich die Zuneigung der anderen mit Ehemann & Kind erkaufen kann. Sie hat herausgefunden, dass das nicht stimmt und erlebt ihre Beziehungen heute wesentlich entspannter. Sie muss sich nicht mehr anstrengen, um bei den anderen etwas darzustellen. Stattdessen erlaubt sie sich, einfach sie selbst zu sein. Und ich durfte sie auf diesem Weg begleiten.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

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  1. So ähnlich ging es mir, als ich kürzlich Mitglied von Facebook wurde. Mir war von Anbeginn klar, dass ICH Facebook-Mitglied werden möchte – nicht meine Familie,nicht mein Mann, nicht meine über alles geliebten Kinder – und schon gar nicht meine ganzen Geschichten, die hier prima, anhand von Fotos, zu präsentieren wären, sondern ICH. Irgendwann kam ich dann ins Schleudern, als ich bei anderen die vielen Fotos sah mit samt ihren Aktivitäten, ich bekam plötzlich das Gefühl ich müsste etwas bieten und dieses Gefühl war sehr unangenehm, gefolgt von Minderwertigkeit, nicht INN zu sein und vielen anderen. Ich blieb dabei, mich mit meinem einzigen Foto zu präsentieren und fragte mich „muß ich denn – so wie alle anderen – meine Familie und meine Geschichten mit präsentieren? Die Antwort erhielt ich recht schnell mit THE WORK, „nein, muss ich nicht“. So stellte sich mit der Zeit eine enorme Gelassenheit ein. Ich habe die Freiheit in Facebook einzusehen, etwas zu kommentieren oder auch nicht – was ich tue entstammt einer völligen Souveränität heraus und ich fühle mich unendlich wohl damit. Ich bin nun mal „nur“ meine Wenigkeit oder das „BESTE“ was es auf der Welt für mich gibt…

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