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„Weißt du, was ich meine?“ – Nein, unmöglich!

Schon oft in meinem Leben habe ich jemandem etwas erzählt, und ihn dann gefragt „Weißt du, was ich meine?“. War die Antwort des anderen „Ja“, so fühlte ich mich verstanden.

Auch mir wurde diese Frage schon oft gestellt. Bisher dachte ich in vielen Fällen, den anderen verstanden zu haben und antwortete mit „Ja“. Bis jetzt: mir ist aufgefallen, dass das tatsächlich unmöglich ist. Ich kann niemals wissen, was der andere wirklich meint.

Warum?

Weil ich alles interpretiere, was ich selbst sage. Und alles, was jemand anders sagt. Wirklich wörtlich zuhören ohne jegliche Interpretation tue ich selten oder vielleicht auch gar nicht. Zu interpretieren scheint nicht nur eine Eigenheit von mir zu sein, vielmehr scheinen das alle Menschen zu tun. Das bedeutet, Sender und Empfänger einer Nachricht tun es gleichermaßen.

Was passiert also, wenn Sender und Empfänger einer Botschaft jeweils ihre eigene Interpretation auf die tatsächlich gesprochenen Worte legen? Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis deckungsgleich ist, ist ziemlich gering. Es mag sein, dass es oft eine gewisse Schnittmenge gibt, aber ein wirklich identisches Verständnis beider Sichtweisen halte ich für nahezu ausgeschlossen.

Was genau passiert also in einem Gespräch? Der Sender sagt etwas. Er spricht bestimmte Worte, die nicht die ganze Information enthalten. Der Rest ist seine Interpretation. Vielleicht hält er manche Dinge für entbehrlich, denn „das ist ja sowieso klar“.

Der Empfänger hört die Worte des Sprechers, und interpretiert ebenfalls. Allerdings auf seine Weise. Woher soll er wissen, wie der Sender seine Botschaft interpretiert? Was dieser tatsächlich gemeint hat? Zu dieser Information hat er keinerlei Zugang, er kann in den Kopf des Senders nicht hinein schauen.

Und selbst wenn er das könnte, so würde die Information, was der Sender gemeint hat, wiederum der Interpretation des Empfängers unterliegen. Dann hätte der Empfänger also seine Interpretation der Worte des Senders plus seiner Interpretation dessen, was dieser vermutlich gemeint hat. Damit ist er keinen Schritt weiter.

Ein Gespräch könnte beispielhaft so ablaufen:
Sender: „Letzte Woche hatte ich eine schwieriges Gespräch mit diesem Verkäufer. Er hat mich richtig genötigt, das neue Produkt zu kaufen. Er hatte diesen Tonfall drauf und hat mich immer so angesehen. Weißt du, was ich meine? Ich konnte gar nicht anders als es zu kaufen.“
Empfänger: „Ja, ich weiß was du meinst. Das ist wirklich unangenehm. Wäre mir genauso gegangen.“

Wirklich? Es mag sein, dass der Empfänger auch schonmal eine Situation erlebt hat, in der er sich genötigt gefühlt hat, etwas zu kaufen. Aber ob er den Tonfall und die Mimik des Verkäufers nachvollziehen kann, und ob er die gleiche Situation genauso empfunden hätte, kann er nicht wissen.

Die Quintessenz für mich ist, dass ich die Frage „Weißt du, was ich meine?“ niemals wahrheitsgemäß mit „Ja“ beantworten kann. Ich kann immer nur wissen, was ich meine, was der andere meint. Ob das tatsächlich das ist, was er ausdrücken wollte, wird immer ein Geheimnis bleiben.

Dabei hilft es auch nicht, mich mit dem anderen weiter über das Thema zu unterhalten. Denn jedes weitere gesprochene Wort unterliegt wiederum der Interpretation beider Seiten.

Das empfinde ich zu einem gewissen Grad als entspannend. Früher war ich oft felsenfest davon überzeugt, was die Worte meines Gegenübers zu bedeuten haben („Er respektiert mich nicht“, „Sie akzeptiert mich nicht“ usw.). Inzwischen gelingt es mir viel öfter bereits in der Situation zu sehen, dass es sich auch dabei um meine Interpretation, und nicht um eine Tatsache handelt.

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.