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Wem Sie vermeintlich einen Gefallen tun

„Na, dem anderen!“ werden Sie jetzt sagen. Wer auch immer das ist, Beziehungspartner, Elternteil, Kind, Freund… wirklich?

Ich habe mich in der Vergangenheit immer wieder dabei beobachtet, wie ich anderen einen Gefallen getan und dann im Gegenzug eine bestimmte Reaktion erwartet habe. Beispielsweise habe ich einer Kollegin hier und da geholfen, ihre Aufgaben fristgerecht zu erledigen. Dafür hatte ich mir ihre Wertschätzung und auch ihre Dankbarkeit erhofft.

Sie schien meine Unterstützung jedoch eher als Selbstverständlichkeit zu betrachen und hatte sie außerdem recht schnell wieder vergessen. Ich war verärgert und frustriert – schließlich hatte ich ihr doch einen Gefallen getan! In der Folge habe ich mir keine allzugroße Mühe gegeben, meine Enttäuschung zu verbergen. Mit anderen Worten: sie hat meine Frustration voll abbekommen.

Zeit, mir das ganze mittels The Work of Byron Katie näher anzusehen. „Ich habe ihr einen Gefallen getan.“ Ist das wahr? Absolut sicher wissen kann ich das nicht, stelle ich fest. Als ich nach der Beantwortung der vier Fragen zu den Umkehrungen komme, wartet eine interessante Erkenntnis auf mich: „Ich habe mir einen Gefallen getan“.

Stimmt. Meine Unterstützung für sie war nicht ganz uneigennützig. Ich hatte eine Gegenleistung erwartet: ihre Wertschätzung, ihren Respekt und ihre Dankbarkeit. Und auch ihre Bereitschaft mir zu helfen, sollte ich in eine ähnliche Situation geraten. Es gab also einen Anteil in mir, der einen unausgesprochenen Tauschhandel vorgenommen hat. Einen Tauschhandel, der der Gegenseite nicht bekannt, geschweige denn mit ihr abgesprochen war. Ihr Anteil des Tauschhandels war der Gefallen für mich.

Ich habe ihre Gegenleistung also stillschweigend vorausgesetzt, ohne sie darüber zu informieren und damit ohne ihr eine Chance zu geben sie zu erfüllen. Als sie die erwartete Dankbarkeit etc. nicht erriet und mir damit nicht entgegenbrachte war ich enttäuscht. Ich war darüber verärgert, dass sie meine Gedanken nicht hatte lesen können. Ich distanzierte mich von ihr, weil mein Versuch, mir Wertschätzung und Respekt zu erkaufen nicht funktioniert hatte! Als ob das in ihrer Verantwortung liegen würde!

Diese Einsicht war auf den ersten Blick unangenehm, auf den zweiten befreiend. Seitdem bin ich mir meines Anteils wesentlich bewusster, wenn ich jemand anderem einen Gefallen tue. Es ermöglicht mir immer öfter, tatsächlich aus meinem Herzen heraus zu handeln. Ohne Hintergedanken.

Ich mache mich nicht mehr so abhängig davon, von meinem Gegenüber etwas zurück zu bekommen. Wenn es passiert, ist es umso schöner. Wenn nicht, dann nicht. Ich kann dann immer noch innerlich ruhig und dem anderen gegenüber offen und aufgeschlossen bleiben. Und ich bin wesentlich entspannter.

Finden Sie sich in dieser Schilderung wieder? Wie ist es, wenn Sie jemandem einen Gefallen tun? Erwarten Sie eine Gegenleistung, sofort oder später? Bringt das Frieden oder Stress in Ihr Leben? Nach meiner Erfahrung ist es purer Stress. Dabei ist innerer Frieden so nah – er ist nur vier Fragen und Umkehrungen entfernt!

Autor:

Mein Motto ist "Mens sana in corpore sano". Mein Ziel ist, die natürliche Balance und damit die Gesundheit eines Menschen wieder herzustellen. Dazu arbeite ich auf allen drei Ebenen Körper, Geist und Seele mit energetischen Heilmethoden.

2 Kommentare

  1. Das klingt sehr einfach, aber mit dem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden.
    Betrachten wir es mal von der anderen Seite: Jemand tut mir einen Gefallen. Dann finde ich es selbstverständlich, mich dafür zu bedanken. Das ist zuumindest ein Akt der Höflichkeit, oder nicht?
    Umgekehrt erwarte ich das natürlich auch. Sonst vergeht mir die Lust dazu, immer nett und freundlich zu sein. Was macht es für einen Sinn, ein Gutmensch sein zu wollen und immer wieder aufzulaufen?
    Ich bin ein Mensch, der immer das Gute im Anderen sieht, der immer eine Entschuldigung für den anderen hat, der dafür aber auch immer wieder einen Tritt bekommt.
    Was nutzt mir da der ganze innere Frieden, meine Gelassenheit?

    • Wenn mir jemand einen Gefallen tut und ich es als Gefallen betrachte, dann bedanke ich mich dafür. Manchmal kommt es jedoch vor, dass ich einen Gefallen nicht als solchen erkenne. Das ist der Fall, wenn ich in meinen unüberprüften Denkmustern gefangen bin. Was die oben geschilderte Situation anbelangt vermute ich heute, dass die Kollegin meine Unterstützung als Selbstverständlichkeit betrachtet hat, als Teil meines Jobs. Wieso sollte sie sich dafür bedanken, dass ich aus ihrer Sicht einfach nur meinen Job mache? Die Frage nach Höflichkeit hat sich für sie in diesem Moment also vermutlich gar nicht erst gestellt.

      Wenn ich heute jemandem einen Gefallen tue, überprüfe ich meine Motive. Warum tue ich das für den anderen? Kommt es von Herzen? Oder handle ich (auch) aus eigennützen Motiven heraus, weil ich etwas zurück haben will? Ich habe für mich festgestellt, dass ich mich selbst nicht mag, wenn ein Gefallen nicht aus meinem Herzen kommt. Und dass es mich stark unter Stress setzt, wenn ich vom anderen für meinen Gefallen im Gegenzug etwas erwarte. Das ist genau das, was ich aus deinen Zeilen herauslese:

      „Umgekehrt erwarte ich das natürlich auch. Sonst vergeht mir die Lust dazu, immer nett und freundlich zu sein. Was macht es für einen Sinn, ein Gutmensch sein zu wollen und immer wieder aufzulaufen?“

      In dem Moment wo ich vom anderen etwas erwarte, geht es mir nicht gut. Der andere weiß im Zweifel zunächst mal gar nichts davon! Er fängt möglicherweise an zu ahnen, dass etwas nicht stimmt, wenn ich griesgrämig werde und mich distanziere.

      Ich bin also ein „Gutmensch“, weil mir das gut tut. Das heißt, auch hier tue ich wieder mir den Gefallen.

      Wenn ich (auch) deswegen ein Gutmensch bin, damit andere mir gegenüber höflich sind oder sich in irgendeiner Form erkenntlich zeigen bedeutet das, dass ich von mir aus einen Tauschhandel initiiere, dem der andere nicht zugestimmt hat. Ich löse damit aus, dass er mir etwas schuldig ist und nehme ihm ein Stück weit die Entscheidungsfreiheit, ob er etwas für mich tun will.

      Das fühlt sich für mich nicht richtig an. Es erzeugt bei mir vielmehr eine immense innere Spannung. Obendrein mache ich mich vom anderen abhängig, indem ich die Gegenleistung erwarte. Dann fühle ich mich hilflos.

      Dabei ist das alles hausgemacht durch meine Erwartungshaltungen bzw. Wertvorstellungen, z.B.

      „Wenn andere sich nicht bedanken, sind sie unhöflich.“ (gilt genauso für mich, wenn mir jemand einen Gefallen tut)
      „Für einen Gefallen muss man sich erkenntlich zeigen.“
      „Ich kann mich nur erkenntlich zeigen, indem ich innerhalb einer angemessenen Frist für den anderen etwas gleichwertiges tue.“ (gilt genauso für den anderen, wenn ich ihm einen Gefallen getan habe)
      „Es lohnt sich nur etwas für andere zu tun, wenn ich auch was zurückbekomme.“

      Mit Überzeugungen wie diesen bin ich weder unabhängig, noch gelassen. Aber auch diese Dinge können mit The Work of Byron Katie überprüft werden. Dadurch habe ich die Chance, mich von Gegenleistungen unabhängig zu machen und gleichzeitig im Frieden zu sein.

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